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Einfach mal feiern, trotz
rheumatischer Erkrankung
– geht das? Und was ist mit
Rheuma und Alkohol: erlaubt
oder nicht? Dieser Beitrag
klärt auf, worauf Rheumatiker
auf Partys achten sollten.

 

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Ob Geburtstags- oder Gartenparty – ab und zu tut es richtig gut, den stressigen Alltag hinter sich zu lassen, zu tanzen, zu lachen, sich ungezwungen zu unterhalten. Und wie das bei Partys so ist: Es wird auch Alkohol getrunken, vielleicht mal eine Zigarette geraucht. Mit ausreichend Schlaf ist möglicherweise auch nicht zu rechnen.

Menschen mit Rheuma stellen sich vielleicht einige Fragen: Was sollte ich mit meiner Erkrankung beim Feiern beachten? Vor allem aber: Passen Rheuma und Alkohol zusammen?

Mal grundsätzlich gefragt: Dürfen Menschen mit Rheuma Alkohol trinken?

Im Gegensatz zu Lebererkrankungen und Gicht, bei denen selbst geringe Mengen Alkohol schädlich sind, ist das bei rheumatischen Erkrankungen nicht automatisch der Fall. Für Menschen mit rheumatoider Arthritis oder anderen entzündlich rheumatischen Erkrankungen ist das gelegentliche Glas Wein oder Bier folglich nicht verboten.1 Voraussetzung ist natürlich, dass dieser wohl dosierte Alkoholkonsum mit dem Rheumatologen besprochen wurde.

Was natürlich für Menschen mit und ohne Rheuma gleichermaßen gilt: Zu viel Alkohol kann zahlreiche gesundheitsschädigende Folgen haben. Wo aber liegt die Grenze zwischen noch okay und zu viel? Eine weitere Studie, die das Trinkverhalten von fast 600.000 Menschen untersucht hat, schließt mit dem Fazit: Wer durchschnittlich weniger als 100 Gramm Alkohol pro Woche konsumiert, schadet seiner Gesundheit nicht oder kaum.2 100 Gramm – das entspricht etwa zweieinhalb Liter Bier oder einem Liter Wein pro Woche.3 Alles darüber sollte folglich vermieden werden.

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Rheumamedikamente und Alkohol: Was ist zu beachten?

Gerade zu Therapiebeginn, aber auch bei Therapieanpassungen stellen sich Rheumatiker Fragen wie: Kann es bei meinen Rheumamedikamenten zu Wechselwirkungen mit Alkohol kommen? Sollte ich bei einem Partybesuch besser komplett auf alkoholhaltige Drinks verzichten? Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Ein genauerer Blick auf die verschiedenen Medikamentengruppen hilft aber weiter:

Methotrexat (MTX) und Alkohol bei Rheuma: Die sogenannten Disease Modifying Antirheumatic Drugs (DMARDs) werden in der Rheumatherapie meist über längere Zeiträume angewendet, um das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten. Am häufigsten kommt der Wirkstoff Methotrexat (MTX) zum Einsatz, das in der Regel einmal wöchentlich eingenommen beziehungsweise gespritzt wird. Nach der Anwendung von MTX bei Rheuma dürfen Patienten für mindestens 48 Stunden keinen Alkohol trinken, um Leberschädigungen zu vermeiden. Liegen zwischen dem Tag der Methotrexat-Gabe und dem Partyabend mehr als zwei Tage, ist etwas Alkohol durchaus möglich – das ärztliche Einverständnis vorausgesetzt.4

Kortison und Alkohol: In bestimmten Phasen der Rheumatherapie werden auch Kortisonpräparate (Glucokortikoide) verordnet. Die Kombination mit Alkohol kann zu Wirkveränderungen führen und auch das Risiko für akute Nebenwirkungen erhöhen. Daher sollte während der Behandlung mit Kortison am besten kein Alkohol getrunken werden.5

Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) und Alkohol: Zu dieser Medikamentengruppe gehören allgemein bekannte Wirkstoffe wie Ibuprofen und Diclofenac, die vor allem zur Behandlung von akuten Gelenkschmerzen eingesetzt werden. Eine Kombination mit Alkohol kann zu Wirkveränderungen, aber auch zu Komplikationen wie Magen-Darm-Blutungen führen. Ein generelles Alkoholverbot gibt es nicht, aber bei der Einnahme von nicht steroidalen Antirheumatika sollte nur sehr geringe Mengen Alkohol konsumiert werden.6

Schmerzmittel und Alkohol: Wirkstoffe wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (unter anderem bekannt als Aspirin®) sind gängige Arzneistoffe zur Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und/oder Fieber. Wie Alkohol werden auch sie über die Leber abgebaut. Bei Alkoholgenuss und gleichzeitiger oder zeitnaher Einnahme von Paracetamol oder Aspirin verzögert sich der Abbau von Alkohol, zudem können sich Nebenwirkungen der Wirkstoffe durch Alkohol verstärken. Daher sollte bei der Einnahme von Paracetamol oder Aspirin kein Alkohol getrunken werden.7

Alkohol bei der Behandlung mit Biologika: Die biotechnologisch hergestellten Wirkstoffe hemmen die rheumatisch bedingten Entzündungen durch gezielte Eingriffe in die Entzündungsvorgänge und werden über längere Zeiträume eingesetzt. Ob unter einer Therapie mit Biologika ab und zu etwas Alkohol in Ordnung ist, muss individuell mit dem Rheumatologen abgesprochen werden.

Fazit:Eine Behandlung mit Rheumamedikamenten muss nicht automatisch bedeuten, dass man überhaupt keinen Alkohol trinken darf. Es gibt aber Medikamente, die sich mit Alkohol überhaupt nicht vertragen. Was das nun für die kommende Party bedeutet? Das sollte immer mit dem behandelnden Rheumatologen anhand der aktuellen Therapie besprochen werden.

Junge Leute stehen um einen Grill. Einige haben Bierflaschen in der Hand
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Nikotin, Süßes, Fettiges: Müssen Rheumatiker auf solche Partysünden verzichten?

Ist eine Zigarette bei der Party eigentlich okay? Zahlreiche Studien zeigen, dass regelmäßiges Rauchen das Risiko für bestimmte rheumatische Erkrankungen um ein Vielfaches erhöht und bei Rheumatikern den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflusst. Zudem wirken Rheumamedikamente bei Rauchern schlechter.8 Wer nur ein bis zwei Zigaretten am Abend raucht und danach wieder für lange Zeit rauchfrei lebt, muss sich diesbezüglich vielleicht noch keine allzu großen Sorgen machen. Aber: Tabakrauch enthält über 5.300 verschiedene Substanzen, von denen viele giftig und krebserzeugend sind. Diese Giftstoffe werden mit jedem Zug an der Zigarette über die Lunge aufgenommen und im gesamten Körper verteilt.9 Schon deshalb ist es ratsam, überhaupt nicht zu rauchen – auch nicht auf Partys.

Gegen die typischen Partysnacks ist dagegen nichts einzuwenden. Eine Handvoll Chips oder Süßes, etwas Salzgebäck, ein paar karamellisierte Saté-Spieße beeinflussen das Entzündungsgeschehen nicht dauerhaft negativ. Wichtig ist, dass die Ernährung im Alltag stimmt. Eine gesunde Ernährungsweise kann das Entzündungsgeschehen mildern und die Therapie mit Medikamenten gut unterstützen.

Zusätzlich haben Rheumatiker wegen ihrer chronischen entzündlichen Erkrankung einen erhöhten Nährstoffbedarf.

Wie eine bunte, abwechslungsreiche und leckere Ernährung aussehen kann, verrät unser Artikel zum Thema Ernährung bei Rheuma.

Auf einem Tisch stehen salzige Snacks wie Chips und Cracker sowie Süßigkeiten in Form von Schokolade und Bonbons
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Und nach der Party? Gute Gewohnheiten statt schlechtes Gewissen!

Zum Schluss gehen wir zurück zur Ausgangsfrage: Einfach mal feiern, trotz Rheuma – geht das? Ja, natürlich! Spaß und Genuss gehören zu einem erfüllten Leben, auch bei Rheuma. Am Tag nach der Party geht es dann wieder darum, mit genauso viel Spaß und Genuss einen gesunden Lebensstil zu verfolgen.

  • Bewegung: Aktiv zu sein, insbesondere an der frischen Luft, hat viele positive Effekte auf die Gesundheit. Das gilt auch und gerade für den Tag nach einer Party. Ein ausgedehnter Spaziergang bringt den Kreislauf wieder in Schwung und liefert neue Energie. Stichwort regelmäßige Bewegung: Rheumatiker sollten sich auch hier nicht überfordern und ihre Bewegungsziele gemeinsam mit ihrem Physiotherapeuten besprechen. Unser Ratgeber „Rheuma & Sport“ liefert zahlreiche Anreize.
  • Guter Schlaf: Der ist essenziell, um wichtige Reparaturprozesse im Körper zu ermöglichen und Stresshormone abzubauen. Ein einmaliges Schlafdefizit infolge einer Partynacht ist nicht so wild, es sollte aber nicht zur Regel werden. Übrigens: Das Betten-Know-how für eine erholsame Nachtruhe gibt es in diesem Beitrag.
  • Gesunde Trinkgewohnheiten: Nein, hier geht es nicht um Alkohol, sondern um den Flüssigkeitshaushalt, der für einen funktionierenden Stoffwechsel sehr wichtig ist. Pures Wasser und ungesüßte Früchte- und Kräutertees eignen sich am besten. Etwa zwei Liter am Tag sollten es sein, im Sommer und bei sportlicher Aktivität auch etwas mehr.
Eine Frau reckt sich in ihrem Bett gut gelaunt nach einem ausgiebigen Schlaf
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Ernährung bei Rheuma

Frisches Obst, Gemüse und Fisch sollten Betroffene bei einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung einplanen.

Quellen:
1 https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Alkohol-Co-Was-raten-bei-Rheuma-263993.html (Aufgerufen am 15.02.2022)
2 Wood AM, Kaptoge S, Butterworth AS et al. Risk thresholds for alcohol consumption: combined analysis of individual-participant data for 599 912 current drinkers in 83 prospective studies. Lancet. 2018 Apr 14;391(10129):1513-1523. doi: 10.1016/S0140-6736(18)30134-X
3 https://www.gesundheitsinformation.de/ab-wann-ist-alkohol-schaedlich.html (Aufgerufen am 15.02.2022)
4 https://www.rheuma-online.de/medikamente/methotrexat/wie-ist-es-mit-methotrexat-und-alkohol-darf-ich-mal-ein-bier-oder-ein-glas-wein-trinken und https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/09/27/wieviel-alkohol-geht-bei-mtx-therapie (Aufgerufen am 15.02.2022)
5 https://www.dr-gumpert.de/html/cortison_alkohol.html#c64794 (Aufgerufen am 15.02.2022)
6 https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-382013/differenziert-beraten (Aufgerufen am 15.02.2022)
7 https://www.dr-gumpert.de/html/schmerzmittel_und_alkohol.html#c153265 (Aufgerufen am 30.03.2022)
8 https://www.internisten-im-netz.de/aktuelle-meldungen/aktuell/mit-rheuma-bloss-nicht-rauchen.html (Aufgerufen am 15.02.2022)
9 https://rauchfrei-info.de/informieren/rauchen-gesundheit/ (Aufgerufen am 15.02.2022)