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Viele Menschen mit einer
entzündlich-rheumatischen
Erkrankung fragen sich:
Liegen die Ursachen für
Rheuma in der Psyche?

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Fest steht: Das Entzündungsgeschehen und die Psyche sind bei Rheuma eng miteinander verbunden. Hierbei spielt auch das Immunsystem eine wichtige Rolle. Wir erklären, wie sich die rheumatische Erkrankung und die Psyche gegenseitig beeinflussen können, was die Seele stärkt und vor Stress und Krisen wappnet.

Die Psyche ist nur ein möglicher Auslöser von vielen

Psychische Belastungen oder Stress sind nicht die alleinigen Ursachen einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Vielmehr kommen eine genetische Veranlagung und sogenannte Trigger (Auslöser) zusammen: Forscher gehen davon aus, das Betroffene in sich eine angeborene Bereitschaft für Rheuma tragen. Diese ruht im Körper, bis die Trigger sie aktivieren. Als Trigger kommen Infektionen, Hormonstörungen, Bewegungsmangel, Alkohol, aber eben auch Stress infrage. Die Kombination aus angeborener Bereitschaft und individuellem Trigger lässt die entzündlich-rheumatische Erkrankung ausbrechen.

Auf der anderen Seite beeinflusst Rheuma auch die Psyche: Die Diagnose ist oftmals ein einschneidendes Lebensereignis, das vieles verändert: den bisherigen Berufswunsch, das liebgewonnene Hobby und auch den Kontakt zu Familie und Freunden. Bei einigen Rheumaformen wie beispielsweise der rheumatoiden Arthritis leiden Betroffene zudem unter einer starken Erschöpfung, Abgeschlagenheit beziehungsweise Müdigkeit. Diese Beschwerden fassen Mediziner unter dem Begriff „Fatigue-Syndrom“ zusammen. Diese Erschöpfung schränkt bei manchen Betroffenen das Leben mit Rheuma stärker ein als die Gelenkschmerzen.

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Info:

Das Wort „fatigue“ stammt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt „Müdigkeit“. Bei Rheuma treten Fatigue, chronische Schmerzen und Depressionen häufig gemeinsam auf und können sich gegenseitig verstärken.

Wenn die Psyche mitleidet

Bei Rheuma leiden Psyche und Körper häufig gleichermaßen: Neben starker Erschöpfung treten bei Betroffenen gehäuft psychische Erkrankungen auf. In einer chinesischen Studie mit RA-Patienten konnten Mediziner beispielsweise bei 60 Prozent der Teilnehmer eine Depression und bei 62 Prozent eine Angststörung diagnostizieren.1

Mittlerweile zweifeln Wissenschaftler daran, dass die psychische Belastung durch die Krankheit gleichzeitig die Ursache für begleitende Depressionen und Angsterkrankungen ist. Sie vermuten, dass das anhaltende Entzündungsgeschehen die Ursache ist, warum bei Rheuma die Psyche mitleidet.2,3

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Info:

Die chronische Entzündung bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist Ausdruck einer Autoimmunreaktion. Dabei greift das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe an und ruft so eine Entzündung hervor: Das betroffene Gelenk ist geschwollen, gerötet und schmerzt.

Das Immunsystem hat nicht nur eine enge Verbindung zum Körper, sondern auch zur Psyche: Anhaltender Stress schwächt das Immunsystem und kann das Entzündungsgeschehen bei Rheuma befeuern. Wissenschaftler der Psychoneuroimmunologie untersuchen genau dieses Team aus Körper, Geist und Immunsystem. Sie sagen: Wenn es einem von dreien schlecht geht, beeinflusst es auch die anderen beiden.4 Dies ist besonders für Betroffene mit einer chronischen Erkrankung wie Morbus Bechterew oder Psoriasis-Arthritis interessant, denn: Indem sie etwas für ihre psychische Gesundheit tun, können sie auch die körperlichen Symptome der Entzündung positiv beeinflussen.

Was stärkt die Seele?

Wie gut Menschen mit Stress und Krisen umgehen können, hängt von ihrer seelischen Widerstandskraft ab. Mediziner bezeichnen diese Fähigkeit als Resilienz. Wer über eine hohe Resilienz verfügt, wird von belastenden Ereignissen im Leben nicht so stark aus der Bahn geworfen. Das heißt jedoch nicht, dass Stress an besonders resilienten Menschen spurlos vorbeigeht. Vielmehr finden sie besser oder schneller einen Weg, mit einer belastenden Situation umzugehen. Sie speichern diese Erfahrung und rufen sie bei Bedarf wieder ab.

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Tipp:

Die gute Nachricht ist: Resilienz ist nur zu einem geringen Anteil angeboren. Jeder hat lebenslang die Möglichkeit, den Blick für die positiven Dinge im Leben und damit die Bewältigung von Krisen zu erlernen.

Laut Forschern gibt es mehrere Faktoren, die die seelische Widerstandskraft verbessern: Wichtig sind soziale Kontakte zu Verwandten, Freunden und Kollegen, auf deren Unterstützung und Hilfe man sich verlassen kann. Außerdem ist der Blick auf das eigene Leben und die persönlichen Fähigkeiten entscheidend. Wer darauf vertraut, das eigene Leben trotz Krisen wie wiederkehrende Krankheitsschübe meistern zu können, stärkt seine Seele. Gleichzeitig sollten Betroffene ihre Grenzen kennen und akzeptieren, dass sie nicht alles in ihrem Leben beeinflussen können.

Stress lass nach!

Sei es Ärger mit den Kollegen, das lange Warten auf einen Arzttermin oder das Gelenk, das eines Morgens plötzlich schmerzt: Nicht jede Form von Stress ist vermeidbar – das wissen Betroffene mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung nur zu gut. Daher ist es wichtig, einen Ausgleich zu finden, der zu einem passt. Denkbar sind Entspannungsverfahren wie autogenes Training, Qigong oder auch progressive Muskelentspannung. Diese Technik ist schnell erlernbar und lässt sich gut in den Alltag integrieren. Viele Krankenkassen bieten Kurse zu Entspannungstechniken an und unterstützen ihre Mitglieder finanziell bei den Kurskosten.

Neben Entspannungsverfahren hilft auch moderate Bewegung, um den persönlichen Stresslevel zu senken. Beim Radfahren, Wandern, Spazierengehen oder Schwimmen kommt der Körper in Bewegung, die maximale Belastbarkeit wird aber nicht erreicht – ideale Voraussetzungen, damit der Körper das Stresshormon Cortisol abbaut.

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Hilfe suchen und annehmen

Manchmal helfen auch die besten Tipps und Entspannungsübungen nicht: Wenn der Alltag sich nur noch grau anfühlt und eine positive Perspektive fehlt, sollten Betroffene sich Hilfe suchen. Die erste Anlaufstelle kann eine Vertrauensperson sein, der man sich mitteilt und bei der man Rat sucht. Betroffene können aber auch direkt das Gespräch mit dem behandelnden Rheumatologen suchen. Er kann die Situation aus medizinischer Sicht am besten einordnen und gegebenenfalls bei den nächsten Schritten beraten. Gleichzeitig ist auch der Austausch mit anderen Betroffenen eine große Hilfe: Über Patientenorganisationen können Menschen mit Rheuma eine passende Selbsthilfegruppe in ihrer Nähe finden.

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Ernährung bei Rheuma

Frisches Obst, Gemüse und Fisch sollten Betroffene bei einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung einplanen.

Quellen:
1 Pu D. et al. Prevalence of depression and anxiety in rheumatoid arthritis patients and their associations with serum vitamin D level. ClinRheumatol 2018;37: 179-184.
2 Fragoulis GE et al., EULAR 2018; Amsterdam, Abstract OP 0350
3 Dowlati Y, Herrmann N, Swardfager W, et al. A meta-analysis of cytokines in major depression. Biol Psychiatry. 2010;67(5):446-457. doi:10.1016/j.biopsych.2009.09.033
4 www.pharmazeutische-zeitung.de/emotionen-steuern-das-immunsystem